ITU-T Rec. Y.2770

Ich mache hier mal eine Sammelstelle für die ITU-T Rec. Y.2770 Requirements for Deep Packet Inspection in Next Generation Networks auf. Der Arbeitstitel war Y.dpireq in der Q.17/13. Die Recommendation wurde am 20. November auf der WTSA12 verabschiedet. Sie ist auf der Webseite der ITU veröffentlicht, der WTSA-Report steht noch aus.

Update: Der bei der WTSA eingereichte Entwurf der Rec. Y.2770 ist nun geleakt.

Deep Packet Inspection und die Gerüchte um die Bestrebungen der ITU die Kontrolle über das Internet durch die Änderung der ITRs bei der WCIT12 zu übernehmen, das kann ja nicht gut gehen. Es gibt jetzt die ersten kritischen Töne:

Bei all der Diskussion um Rec. Y.2770 sollte man nicht vergessen, dass das gesamte „Service-Konzept“ der ITU – Stichwort NGN – auf der Überlegung beruht, dass Services vom Netzbetreiber, also von Elementen innerhalb der Betreiber-Infrastruktur, angeboten und kontrolliert werden.  Also muss Deep Packet Inspektion durchgeführt werden. Dieser Service-Gedanke stellt so ungefähr das Gegenteil zum Internet-Modell dar: Das Netz ist ein Netz und beschäftigt sich nur mit Transport, sprich Routing. Dienste finden in den Endpunkten (Endgeräten) statt. Im Netz gibt es daher keine klassischen Telekommunikationsdienste. Das sogenannte end-to-end principle.

Da dies das fundamentale Design-Prinzip des Internet/Internet Protocol ist, fragt man sich, warum ITU-Member überhaupt Netze auf Basis von IP diskutieren. Man hätte dann eigentlich etwas eigenes entwickeln sollen. Naja, haben sie auch irgendwie, nämlich das NGN. Diese Umstände haben Vint Cerf wahrscheinlich zu diesem Ausspruch verleitet: These persistent attempts are just evidence that this breed of dinosaurs, with their pea-sized brains, hasn’t figured out that they are dead yet, because the signal hasn’t traveled up their long necks. (Quelle)

Update:  Die ITU hat jetzt anscheinend auf den Leak reagiert. Es gibt eine Klarstellung zu Ziel und Zweck von Rec. Y.2770: Internet applications currently shift their communication ports and protocols randomly, and an increasing number of applications are evolving into web-based services. ITU-T Y.2770 therefore outlines the technical requirements of identifying and managing network applications unambiguously through protocol, port and application signatures. Also eine eindeutige Bestätigung, dass Netzbetreiber Applications immer noch als Teil des Netzes ansehen und diese kontrollieren wollen. Man will also keine Internet-Architektur unterstützen; eine neutrale Kommunikationsplattform auf Basis von IP ist nicht das Ziel.

Konsequenz: Internet und NGN sind nicht kompatibel. Das sind unterschiedliche Welten! Die Frage ist, welches Business Model sich durchsetzt …

Leave a Comment

Your email address will not be published.


4 × drei =