Ad-blocking im Router

ars technica berichtet, dass der französische Provider Free mit einem Update der Router-Firmware als Standardeinstellung einen Werbeblocker integriert hat. Unter anderem werden die Ad-Server von Google geblockt, was Google natürlich missfällt. Der französische Regulierer ARCEP hat sich eingeschaltet und um Darstellung des Sachverhalts nachgefragt. Wie jetzt bekannt wurde, wurde nach Gesprächen der Behörde und Free das Ad-Blocking vorerst eingestellt. Ein genauere Darstellung der Hintergründe gibt es bei BFM Business (in französisch).

Aus technischer Sicht ist es natürlich richtig, DPI-Funktionen in das Endgerät (hier Router) zu verlegen. Schließlich ist DPI im kern eine Firewall-Funktionalität, die dementsprechend in eine Proxy-Einheit außerhalb des Netzes im Anschluss zu implementieren ist. Hintergrund des Ad-Blocking ist aber kein technischer Grund oder das Angebot eines zusätzlichen Produkt-Features, sondern der Versuch Druck auf Inhalteanbieter auszuüben, damit diese sich an den Netzzugangs/Infrastrukturkosten beteiligen. Free legt sich offen mit Google an.

Unabhängig davon wirft dieser Fall auch die allgemeine Fragestellung auf, was überhaupt ein Internetzugang ist, welche Funktionen er unterstützen soll. Grundsätzlich ist jede Art der Blockierung und Filterung im Internet nicht vorgesehen. Wenn ein Anbieter jetzt seine Filterfunktionen neben simplen Ad-Blocking auch noch auf weitere Funktionen (Protokolle und Dienste) ausdehnt, ergeben sich Netzzugangsdienste, die nur noch eine begrenzte Konnektivität zum Internet aufweisen aber selbst kein Internetzugang sind.

Stichwort: Specialised Services versus Internet Access Service (siehe auch BEREC Guidelines for quality of service in the scope of net neutrality)

 

Update: Hier nochmal ein Bericht von der Deutschen Welle.

Ganz typisch die ziemlich unsinnigen Einschätzung von Fleur Pellin: She has shown some sympathy with the ISPs, who feel that they are paying too much to host the traffic from companies like Google. m( m( Das sieht man leider häufig, die Vorstellung, dass Content Provider ihre Inhalte in das Netz drücken und dort Kosten verursachen. Das Ursache-Wirkungs-Prinzip wird hier nicht gesehen: Der Nutzer bestellt den Content und bezahlt natürlich auch (vollständig) für den Transport.

Lustig auch: Today, people view their broadband Internet like a tap which they can turn on whenever they want - unlike mobile Internet, which has a limited capacity, like a bottle of water, says Forrester Research's Mullen. Tja, und genauso ist das auch. Das heißt Flat Rate. Die ISP scheinen nun wirklich überrascht zu sein, dass wenn man All you can eat anbietet, dann doch tatsächlich auch Homer Simpson zum Essen kommt. 😉 (siehe auch Homer versus The Flying Dutchman)

 

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