Deutsche Telekom: „Netzneutralität ist in Wahrheit die Privilegierung großer US-Internetkonzerne“

Heise berichtet über ein Gespräch mit Telekom-Sprecher Philipp Blank, in dem er sich beschwert, dass Inhalteanbieter nicht (genug) für das Peering bezahlen. Eine kostenlose Netzzusammenschaltung hält die Telekom nur dann für sinnvoll, wenn sich beide Partner gleich viel Datenvolumen übergeben. Inhalteanbieter, deren Inhalte in der Regel unidirektional vom Endkunden abgerufen werden nehmen natürlich so gut wie keinen Verkehr aus dem Netz der Telekom entgegen. Also eine ziemlich realitätsferne Forderung. Das Geschäftsmodell eines Inhalteanbieters basiert nun einemal, dass er nur liefert und nichts empfängt.

Zusätzlich unterschlägt die Telekom – wie immer – dabei, dass der Transport der Daten vom Peering Point bis zum Anschluss Endkunden schon vollumfänglich vom Endkunden bezahlt wurde. Der Endkunde erwartet (zu Recht) vom Dienstleister, dass seine x Mbit/s vom Netz bis zum Peering Point unterstützt und transportiert werden. Dies ist der eigentliche Vertragsbestandteil. Warum sollte also der Inhalteanbieter den schon bezahlten Transport noch einmal bezahlen?

Was die Anbindung (Peering) an das Internet (Nicht-Telekom-Netze) angeht, so erwartet der Endkunde selbstverständlich das diese als Bestandteil seiner eingekauften Dienstleistung auch zuverlässig funktioniert und ausreichend dimensioniert ist. Sprich: Die gekauften x Mbit/s gehen ohne Stau durch.

Dumm für die Telekom ist jetzt anscheinend, dass mit den neuen Inhalteangeboten nun viele Endkunden ihren Internetzugang wirklich dauerhaft belasten und das Netz der Telekom dies nicht verkraftet. Man muss also ausbauen. Man kann natürlich versuchen ein Teil der Kosten von Inhalteanbietern erstattet zu bekommen. Nur ist die telekom in einer schlechten Verhandlungsposition: a) einerseits moralisch – der Transport ist schon durch den Endkunden bezahlt b) die Marktmacht -> ist z.B. Netflix schlecht angebunden wandern die Kunden zu einem Anbieter ab, der ein gutes Netz hat.

Mit Netzneutralität hat das ganze natürlich nichts zu tun. Es geht darum, dass ein Netzbetreiber sich nicht in der Lage sieht, den notwendigen Netzausbau allein über seine Transportgebühren zu finanzieren.

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